Big Band Konzert mit Ack van Rooyen

 

Tonstreichler und Melodiereizer

Konzert von Ack van Rooyen mit der Erlenbacher Big Bad und Slide´O´Mania

 

Er schafft das scheinbar Unmögliche: Seine Töne sind geschmeidig, manchmal sogar einschmeichelnd und dennoch haben sie Biss, erzeugen Spannung, eine Spannung, die sich überträgt – auf das Orchester und nicht zuletzt auf das Publikum: Der Jazz-Flügelhornist Ack van Rooyen gastierte am Sonntagnachmittag mit der Big Band der Erlenbacher Musikschule in der Frankenhalle; außerdem mit von der Partie: die Gruppe Slide´O´Mania.

Ack van Rooyen aus Den Haag war seit Freitag in Erlenbach. In einem Workshop hat er sich und die Big Band auf das Konzert vorbereitet. Er ist 75 Jahre alt, hat jahrzehntelange Erfahrung auf der Bühne und im Studio; weltweit leitet er Workshops. Der Künstler unterrichtet am Konservatorium seiner Heimatstadt und ist ein Großer der Szene. Anfang der 50-er Jahre hatte der Niederländer den Jazz für sich entdeckt. Er war unter anderem Mitglied der Bands von Bert Kaempfert und Peter Herbolzheimer.

Lyrisch, nie schnulzig

Der Jazzer ist ein Gratwanderer. Er reizt Melodien aus, verleiht ihnen Zärtlichkeit. Er streichelt die Töne. Nie überspannt er den Bogen, immer ist sein Flügelhorn-Sound lyrisch, nie schnulzig. Das wird gerade bei den Balladen deutlich. Sein Ton macht ein wohliges Gefühl im Bauch. Ack van Rooyen kann mit seinem Instrument Geschichten erzählen, Geschichten mit Feingefühl. Der Klang seines Flügelhorns scheint dann aus dem Nichts zu kommen, blüht auf und verschwindet wieder. Seine Töne wirken noch, wenn sie längst verklungen sind. Er hat aber auch heitere Geschichten auf Lager. Ack van Rooyen bildet dann Tonketten, mäandert durch das Thema, schwingt sich in die Höhe, thront über der Band – ein Regent, ein rücksichtsvoller.

 

Neugier geweckt

Ein anderes Mal ist der Künstler ein Tontupfer. Er streut Töne in den Klang der Big Band, kommuniziert mit ihr. Der Jazzer bringt es fertig, mit einzelnen, angerissenen Tönen Atmosphäre zu erzeugen und die Neugier seines Publikums zu wecken. Es hängt förmlich an den Lippen des Flügelhornisten. Die Musiker profitieren vom Zusammenspiel mit dem berühmten Gast. Sie gewinnen durch diesen Präsenz an Souveränität und Sensibliltät. Ack van Rooyens Gelassenheit wirkt sich auf sie aus.

Ob bei "Pra Dizer Adeus" von Edu Lobo (Arrangement Peter Herbolzheimer), "Hoe Down" von Oliver Nelson oder bei "Walkin Tiptoe" von Bert Joris: Die Big Band macht nicht den Fehler, Töne zu überblasen. Fast immer gelingt ihr eine Lautstärke, die Transparenz erzeugt. Sie ermöglicht es dem Zuhörer, sich auf Rhythmusgruppe, Saxofone, Trompeten, Posauen oder Piano einzulassen. Blassere Passagen der einzelnen Register fallen da kaum ins Gewicht. Auch bei den Soli weicht die Anspannung einer konzentrierten Lockerheit.

 

Mit Emotion und Selbstbewusstsein steuert die Sängerin Kerstin Olejak zusammen mit der Big Band – hier unter der Leitung von Stephan Schlett – einige Titel bei ("Respect" von Otis Redding, "Fever" von John Davenport). Ein geschickter Schachzug, den durch das neue Klangbild wurde die Aufmerksamkeit der Gäste in andere Bahnen gelenkt – so ist anschließend wieder "Platz" für Ack van Rooyen und seine Kunst.

 

 

 

Fünf Posaunen, Piano, Kontrabass, Schlagzeug: Der erste Teil des Konzerts gehört der Gruppe Slide´O´Mania mit dem Erlenbacher Big-Band-Leiter Stephan Schlett. Die Eigenkompositionen und selbst verfassten Arrangements machen schnell klar, dass Musiker am Werk sind, die rhythmisch exakt arbeiten. Die Posaunisten sind im Satz sensibel aufeinander abgestimmt. die Mitglieder hören einander zu, lassen sich gegenseitig Freiräume zum Improvisieren.

Keine Langeweile

Fünf Posaunen im Vordergrund – Gefahr, dass Langeweile aufkommt? Nein. Die Posaunisten können auf ihren Instrumenten säuseln, auch mal barsch reagieren – und sie können solieren. Manch einer entfernt sich weit vom Thema und schreitet dann majestätisch zu ihm zurück, ein anderer bleibt in Reichweite der Melodie mit gelegentlichen Ausreißversuchen. Ein anderes Mal mischt sich das Piano ein, Schlagzeug und Bass gesellen sich hinzu, und schon ist ein nuancenreicher Sound erreicht. Das macht den Auftritt von Slide´O´Mania spannend.

 

 

Konzertbesprechung: Main-Echo, 01. Febr. 2005, Mathias Schwind