Die Gemeinschaftsbildende Kraft der Musik

 

 

Mit einem öffentlichen Vortrag "Die Aufgabe der Musik in unserem Leben" begann der viertägige Workshop mit Prof. Hans Erik Deckert, Dänemark in unserer Musikschule.

Herr Deckert: "Gott sei Dank gibt es mittlerweile Untersuchungen, dass durch Ausübung von Musik Kinder offener ihrer Umwelt gegenüber werden, die schulischen Leistungen sich verbessern und die Kinder sozialfähiger sind. Unser Leben wird aber immer mehr durch Äußerlichkeiten geprägt, so auch das Musikerlebnis. Es macht sich ein musikalischer Analphabetismus breit". Die Frage wurde gestellt, wie können wir diesen verhindern?

Deckert: "Jeder Mensch ist mit einem Instrument geboren, mit seiner Stimme. Das Rezept für heute und für alle Zeiten ist, die Mutter und der Vater müssen mit ihren Kindern wieder anfangen, zu singen und zwar zu jeder Gelegenheit, denn die Musik hat eine menschenbildende Kraft. Musik spricht den Menschen in seiner Ganzheit an. Und zwar in seiner Ganzheit, sowohl als Einzelwesen wie auch als Gesellschaftswesen. Hier zeigt sich wohl am allerdeutlichsten, dass die Musik eine Kunst ist, von der ich sicher bin, dass sie in der Zukunft der Menschheit von großer Bedeutung sein wird". Das war der Tenor des Vortrages.

 

Am nächsten Tag um 14.30 Uhr ging es weiter mit dem Workshop. Kammermusikensembles und Orchester unserer Musikschule arbeiteten mit Herrn Deckert vier Tage lang.

 

 

In der musikalischen Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen hob Herr Deckert immer wieder hervor, dass die Theorie ein wichtiger Bestandteil ist um Musik zu erfahren. Er stellte z. B. die Frage: "Wie lösen wir komplizierte Erscheinungen"?

 

" … durch Vereinfachungen. Die Fähigkeit, solche Vereinfachungen zu bilden, ist grundlegend für die Entwicklung des musikalischen Bewusstseins. Strukturelles Hören hilft uns, diese Vereinfachungen zu finden und zu üben. Hierzu gehört auch immer wieder der Weg über das "euphonische Zentrum", d.h. der Weg in den mittleren Bereich unseres Hörvermögens, wo wir unsere Fähigkeiten am besten wahrnehmen können. Es ist der "Andante-Bereich", der "Mezzoforte-Bereich", der Bereich der mittleren Oktaven (zwischen dem kleinen c und dem zweigestrichenen c), der Intervalle innerhalb der Oktave, der Harmonien mit nahe aneinander liegenden Tönen, der zeitweiligen Weglassung einer Dissonanz usw. Ein Thema oder eine Passage in der dreigestrichenen Oktave oder in der Kontra-Oktave, im Fortissimo oder im Pianissimo, im Presto oder im Adagio, mit weit auseinander liegenden Intervallen oder Harmonien, ist viel schwerer zu hören als im "euphonischen Zentrum".

 

 

Die Lösungen von Problemen demonstrierte er praxisbezogen. Spielte ein Schüler eine Passage unsauber, ließ er den Sinn dieser Passage durch die gleichzeitig erklingenden Harmonien bzw. Stimmführungen der Mitspieler erfahren.

Deckert "Die konkrete Handhabung eines Intonationsproblems muss an musikalisches Bewusstsein gebunden sein".

 

 

Hatte ein Schüler ein rhythmisches Problem, arbeitete er an dem grundlegenden Rhythmus der Passage und durch die entsprechenden Impulse der Mitspieler wurde der Schüler in den kollektiven Rhythmus integriert. Deckert: "Anfängliches Zählen muss sich mit dem Erlebnis des Zusammenhangs verbinden. Zählen muss überflüssig werden"!

 

 

Deckert weiter: "Die Aufgabe des Kammermusikunterrichts ist, musikalische Gemeinschaften zu gründen und zum Tragen zu bringen. In jeder musikalischen Gemeinschaft, ob Quartett oder Orchester, soll der Prozess der musikalischen Aneignung, die Durchdringung des "Ich in der Musik" mit dem "Wir in der Musik" auf den Weg gebracht werden. Wird dieser Prozess einmal erlebt, dann findet menschlicher Aufbau statt. Aufbau durch die Fähigkeit, durch Musik Träger und Getragener zu sein. Musik ist Schule für den Menschen".

 

 

Herr Deckert probte mit den Ensembles von Donnerstag bis Sonntag. Sonntags um 10.00 Uhr fand die Generalprobe statt. Um 16.00 Uhr fanden sich langsam die einzelnen Ensemble-Mitglieder in der Frankenhalle ein um sich einzuspielen. Die Halle füllte sich langsam mit Zuhörern – endlich war es so weit. Um 17.00 Uhr konnten die jungen Künstler endlich ihr erarbeitetes Programm vorspielen. Durch das Programm führte Herr Deckert persönlich und verdeutlichte an Beispielen aus den vorgetragenen Musikstücken wie Musik aufgebaut sein kann, wie ein Geben und Nehmen zwischen den jungen Künstler und dem Publik entsteht.

 

Musikschulleiter Erich Rachor bedankte sich recht herzlich bei den beteiligten Lehrkräften Frau Groppe, Frau Völcker, Herrn Lippert und Herr Schuck für die Vorbereitung der Musikstücke und die selber in jeder freien Minute anwesend waren.

 

Konzertbereicht folgt. Momentaufnahmen: