„Wenn eine einzige Note wundervoll gespielt wird...“

 

Das Klavierquartett Frank Lang im Miltenberger Rathaus

 

Womöglich war es einfach nur eine ganz gewöhnliche Midlife Crisis, als der estische Komponist Arvo Pärt um sein 40. Lebensjahr eine mehrjährige Schaffenspause einlegte. Wie auch immer - als er im Jahr 1976 schließlich ins Berufsleben zurückkehrte, brachte er die verblüffend einfache Einsicht mit, „dass es genügt, wenn eine einzige Note wundervoll gespielt wird“.

 

Einfachheit und Klarheit dienten offenbar auch als Leitmotiv für das Klavierquartett Frank Lang bei der Werkauswahl für das Kammerkonzert am vergangenen Sonntag im Miltenberger Rathaus: Klar und klassisch ist die Struktur des Klavierquartetts in g-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart, mit dem die vier Musiker das Konzert eröffneten; ebenso schlicht wie anrührend sind die volkstümlichen Melodien im Dumky-Trio von Antonin Dvorak, das den zweiten Teil des Konzerts bildete. Eingerahmt von diesen beiden Werken stand mit „Fratres“, hier in der Fassung für Violine und Klavier, ein Werk des eben erwähnten Komponisten Arvo Pärt und schließlich die Passacaglia für Violine und Viola von Johann Halvorsen.

 

Ähnlich gelungen wie die Dramaturgie des Programms war auch die Ausführung der Werke, die das Ensemble um den aus Sulzbach stammenden Pianisten Frank Lang dem Publikum im nahezu ausverkauften Saal des Miltenberger Rathauses zu Gehör brachte.

 

Hatte die Akustik des Rathaussaals mit ihrem starken Nachhall im Mozart so manchen dynamischen Kontrast verschleiert, so war sie für die durchsichtigen Klänge der „Fratres“ von Arvo Pärt wie geschaffen. Aufmerksam begleitet von Frank Lang, zauberte die in Frankfurt ausgebildete Geigerin Gudrun Jeggle zwischen fahlen Flageolets und gläsernen Arpeggien ein eindrucksvolles Spektrum an Klängen hervor und ließ in ihrer überzeugenden Interpretation von Pärts Werk die Zeit still stehen.

 

 

Für die Rückkehr in Raum und Zeit sorgten Gudrun Jeggle und Berit Lang durch ihren humorvollen Vortrag der Passacaglia-Variationen von Halvorson. Mit spontanem Lachen während einzelner Passagen und einem frenetischen Applaus nach dem Schlussakkord quittierten die Zuhörer die virtuose Darbietung. Nicht minder schwungvoll fielen schließlich die sechs Sätze von Dvoraks Dumky-Trio aus. Unmissverständlich verwiesen die drei Musiker auf den ständigen Wechsel zwischen melancholisch-gesanglichen Phrasen und tänzerischen Rhythmen. Dabei beeindruckte die in Sulzbach lebende Bratschistin Berit Lang durch ihren warmen Klang und ihre natürliche Gestaltung der zahlreichen Kantilenen.

 

Mag also sein, dass Pärt Recht hat und „es genügt, wenn eine einzige Note wundervoll gespielt wird“.  Mindestens ebenso schön ist es jedoch, wenn es – wie im Kammerkonzert am vergangenen Sonntag –  mehrere Noten sind.

 

 

Weitere Eindrücke vom Konzert

 

Gudrun Jeggle, Frank Lang, Berit Lang & Annette Pitschmann ...

... ein dynamisches Klavierquartett.

 

konzentriert, G. Jeggle & F. Lang spielen A. Pärt

G. Jeggle & B. Lang bezaubern mit J. Halvorsen.

 

eindrucksvoll das Trio von A. Dvorak

augenfällige Moderation, A. Pitschmann

 

ein strahlender und überzeugender
Kammermusikabend ging zu Ende