Dirigent Blüder stolz wie ein Torero

 

Konzert Junge Philharmonie Erlenbach behauptet sich im Zusammenspiel mit der Bürgstädter Pianistin Ingrid Groppe

 

"Es gibt (fast) nichts, was die Junge Philharmonie nicht schafft - ganz besonders unter Holger Blüder" schwärmt mit einer kaum bemerkbaren Einschränkung der Leiter der Musikschule Erlenbach, Erich Rachor, von seinem Orchester. Nach großen Werken der Orchesterliteratur wurde das etwas verjüngte Orchester von der Pianistin Ingrid Groppe beim Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll von Frédéric Chopin erneut aufs höchste gefordert.

 

Gleich in den ersten Takten legten die Erlenbacher Musiker majestätischen Ausdruck in ihr volles Spiel. Sie wussten: In Chopins klangvollem Virtuosenkonzert gibt es wenige Chancen wie hier, um sich mit allen Stärken zu präsentieren. Präzise setzten sie die Dynamikvorgaben von Dirigent Blüder um, bereiteten das lyrische Thema mit erstaunlich wenigen Violinen vor. Allzu bald mussten sie das Feld der Bürgstädter Konzertpianistin Ingrid Groppe überlassen, agierten brav im Hintergrund, um dann um so vehementer in die Zwischenräume hineinzuzielen.

Ingrid Groppe ist der Erlenbacher Musikschule durch ihre Mutter Inge Groppe verbunden, die selbst im Orchester Violine spielte. Ihren ersten Klavierunterricht erhielt sie bei Carl W. Punzmann, studierte in Köln, Berlin, Los Angeles und New York, gab international Konzerte.

 

Weicher warmer Anschlag Zu Beginn des Konzerts setzte sie ganz auf ihren weichen warmen Anschlag, dehnte romantisch die Themen und Figuren, schwelgte in all der Poesie, die der gerade 20-jährige Chopin in dieses Meisterwerk legte, dabei mal von einem fein intonierenden Horn in sensibel abgestimmten Passagen begleitet.

Aber immer wieder gewann die Klarheit die Oberhand, selbst in der von Wärme und Gesang geprägten so fein ausbalancierten Romanze. Im abschließenden Rondo wurde das Orchester ganz von der Pianistin und ihren übermütigen Phrasierungen gefordert. Ihrer emotionalen Tiefe gepaart mit technischer Virtuosität in den perlenden Läufen schloss sich tapfer, wenn auch mitunter etwas widerstrebend, das so attackierte Orchester an.

 

Nach der Pause stand die Junge Philharmonie allein auf der Bühne, glänzte mit rhythmisch und dynamisch höchst anspruchsvollen Werken, den Carmen-Suiten von Georges Bizet und Millennium von Richard Meyer. Voll Temperament entwarfen sie ein romantisches Spanienbild, zeigten Schwung und große Gesten in den temporeichen Sätzen mit den schillernden Farben. Stolz wie die Toreros in der Musik zeigte sich auch Dirigent Blüder.

Großen Orchesterklang forderte die gut zehn Jahre alte Komposition Millennium für großes Orchester. Filmische Bilder, dramatische Gegensätze bilden den Stoff, aus dem dieses dankbare Tongemälde geschaffen ist. Nicht nur hier hatten die Schlagwerker ganz große Auftritte, wobei man bemerken darf, dass selbst die jüngste Musikerin - gerade zehn Jahre alt - ihre Einsätze präzise umsetzte. Am zirkushaften Gesamtklang hatten natürlich die auftrumpfenden Pauken und das Blech einen entscheidenden Anteil. Höchste Motivation gerade bei so verschiedenen Genres ist geradezu zum Markenzeichen der Erlenbacher Philharmonie geworden.

 

Daniela Tiggemann

 

 

Weitere Eindrücke vom Konzert

 

Junge Philharmonie Erlenbach, Leitung Holger Blüder

 

Die beiden jüngsten Mitglieder: Johannes Oberle und Katharina Rachor

 

Mutter und Tochter: Inge und Ingrid Groppe

 

Violinen und Violoncelli mit ihren Lehrern Inge Groppe und Andreas Lippert

 

Blech- und Holzbläser

 

Die Schlagzeuger


Orchester und Solistin

Junge Philharmonie Erlenbach - unser aller Stolz