Klangteppich schwebt über der Stadt

 

Beim ersten Frühschoppen wirkten Besucher wie auch Musiker noch etwas müde. Als sie dann aber auf den Bühnen beschwingt loslegten, stieg die Morgenstimmung rund um den Erlenbacher Altstadtkern schlagartig.

 

Am Sonntagmorgen boten die Erlenbacher Musikensembles nach dem Gottesdienst Musik vom Feinsten mit starken Bläsern und sanften Streichern. Im Hof der Musikschule lud das Tanzorchester Erich Rachor zum "Swing-a-ling"-Programm. Eigentlich ein Programm voll Swing, Foxtrott und Quick Step, also ein einladendes Tanzprogramm mit "Bei mir bist du scheen", dem St.Louis Blues und "Night And Day".

 

Dass hier nicht getanzt wurde, lag nur an der frühen Stunde. Denn Rachor und seine Bläser aus Laudenbach und Erlenbach beherrschen ihr breites Repertoire mit federndem Beat und fast verspielter Technik. Präzises Zusammenspiel und nicht zu vordringliche Soli bannten ihr Publikum und verleiteten zum Mitwippen. Ob die anziehenden Posaunen (Solo: Arno Weimer) bei Gilbert O'Sullivans "Matrimony" oder die forschen Saxophone mit wechselnden Soli - der Klang ging direkt in die Beine.

 

 

Carmen am Morgen Nur wenige Schritte weiter sollte auf dem Kirchplatz das Barbershop-Ensemble "Main-Stream Magic" auftreten, das seinen Gesang aber auf den Nachmittag verlegt hatte. Aber auch so war der Flaneur sofort von der nächsten Klangwolke eingehüllt: Von der Bühne am Barbarossaplatz schallten die Töne der Jungen Philharmonie unter der Leitung von Holger Blüder, die aus ihrem Repertoire einen gezielten Zusammenschnitt für den Open-Air-Auftritt brachten und damit Gespür für Wirkung und Anlass bewiesen. Bizets Carmen-Suiten gelang routiniert mit sehr rundem Ton in den temperamentvollen Sätzen. Feine Holzbläser sorgten dabei für besondere Farben.

 

"Millennium" von Richard Meyer verbindet dynamische Kraft mit großer Dramatik - und war bis in den Musikschulhof hin hörbar. Sehr viel feiner wurden die Akzente bei einem bewundernswert beschwingten Medley aus Melodien von Leonard Bernsteins West Side Story. Weit ausholende Streicher intonierten weich "Tonight", die Bläser sorgten für scharfe Glanzpunkte. Alle aber schienen keine Probleme mit den heiklen Rhythmen und heftigen Taktwechseln zu haben - auch dank der zuverlässigen Schlagwerke von Philipp Becker und Hans-Peter Krause. Die passende E-Musik unterhaltsam vorgetragen - damit gaben die Jungen Philharmoniker auf dem Altstadtfest wieder mal eine Matinée auf höchstem Niveau.

 

Bericht Main-Echo, Daniela Tiggemann

 

 

Tanzorchester Erich Rachor "Swing-A-Ling"
Matinee im Hof der Musikschule

 

Junge Philharmonie Erlenbach
Matinee auf der Barbarossa-Bühne