Umgang mit dem Cello absolut sehenswert

 

Konzert: Holger Blüder führt die Junge Philharmonie Erlenbach

zu einer großartigen Aufführung

 

Große Orchesterwerke gehören stets zu den Glanzpunkten des Erlenbacher Musiklebens. Ein besonderer Hoffnungsträger ist die hiesige Junge Philharmonie, die heuer mit sehr anspruchsvollen Kompositionen von Haydn, Beethoven und Schubert überraschte. Da stellt sich immer wieder die Frage, wie es überhaupt möglich ist, ein solches Programm mit Kindern und Jugendlichen durchzuführen, wo selbst Profi-Ensembles ihre Mühe und Not haben? Holger Blüder ist nicht nur ein brillanter Chorleiter und Pianist, sondern auch ein Orchestererzieher von hohen Graden.
Mit seinen pädagogischen Fähigkeiten weiß er immer wieder junge Menschen zu musikalischen Höchstleistungen zu führen, was ihm auch in der gut besetzten Frankenhalle gelungen ist. Zum »Einspielen« hatte er sich Joseph Haydns Jugendsymphonie Nr. 6 in D - Dur, Der Morgen ausgesucht, an sich eine romantische Idylle. Der 53-köpfige Klangkörper zeigte sich sehr konzentriert und diszipliniert, obwohl auch diese Partitur Stolpersteine bei Tempiwechseln enthielt. Sauber und homogen das Streicherspiel, reizend die Korrespondenz zwischen Fagotten und Celli. Blüder vergaß nicht die höfische Note bei Haydn, ließ aber auch nicht die nötige Eleganz und Wärme vermissen.

 

Tonnuancen von höchster Qualität
Ein musikalischer Leckerbissen wurde für viele Joseph Haydns Konzert für Violoncello in D-Dur op. 101 mit Andreas Lippert als Solist. Schon Lipperts liebevoller Umgang mit dem Cello ist absolut sehenswert, wie er seinem Instrument Tonnuancen von höchster Qualität entlockt und es bei Haydn auch tat. Im 1. Satz machte er sich etwas vom höfisch-klassischen Umfeld frei und ließ sein Cello in romantischer Manier singen. Blüder gab ihm mit seinem prächtig mitgehenden Orchester den nötigen Rückhalt. Das Adagio wurde eher schlicht überzeugend, das Rondo-Finale als vergnügliche Spielmusik empfunden, die wiederum dem Solisten reizvolle Möglichkeiten der Interpretation bot. Der Applaus war dementsprechend lang und herzlich. Auch dieses Mal gab es keine Probleme des Zusammenspiels von Streichern und Bläsern.


Doch da kam Ludwig van Beethovens Fidelio-Ouvertüre op. 72 auf den Plan. Der Schöpfer der Oper Fidelio hatte es sich bei seinen Vorspielen nicht leicht gemacht, von denen er insgesamt vier schrieb. Blüder traf eine gute Wahl. op. 72 begnügt sich damit, nur auf die 1. Szene der Oper mit heiteren Klängen hinzuweisen. So wurde das Orchester nicht überfordert und lieferte eine saubere und stimmungsvolle Wiedergabe ab. Doch was war mit Franz Schuberts »Unvollendeter«, einer Symphonie von erschütternder Schönheit und Tragik zugleich? Überstieg sie nicht die Leistungsschwelle jugendlichen Könnens und Verständnisses? Wie hat es Blüder trotz seiner Kennerschaft, seines großen Gottvertrauens und der unermüdlichen Probenarbeit seiner Helfer nur geschafft, dieses Meisterwerk so eindrucksvoll aufzuführen?


Und was schreibt die Fachwelt über dieses Werk: »Die Menschheit verehrt die »Unvollendete« als die reinste und erschütterndste Äußerung des Schubertschen Genius.«


Große Musikalität und Reife
Auf jeden Fall hat die Junge Philharmonie Erlenbach unter der Leitung eines begnadeten Musikers und Dirigenten ihre große Musikalität und Reife vortrefflich unter Beweis gestellt. Der schier endlose Beifall am Schluss war verständlich.

 

 

Daniela Tiggemann

 

 

Weitere Eindrücke vom Konzert

 

Junge Philharmonie Erlenbach, Leitung Holger Blüder

 

Andreas Lippert und sein Schüler, der jüngste Philharmoniker Johannes Oberle

 

Vanessa Englert, Querflöte und Ansgar Waschbüsch, Fagott

 

Violinen des Orchesters mit ihrer Lehrerin Frau Groppe

 

Celli, Bratschen und Kontrabässe


Die Junge Philharmonie und ihr Dirigent nehmen ...

 

ihren verdienten Applaus in der ausverkauften Frankenhalle entgegen.